Söder schießt gegen Impf-Verweigerer Aiwanger: Er wandelt auf einem schmalen Grat

News zur Coronavirus-Impfung vom 31. Juli 2021

Auf dem schnellsten Weg zum Pieks:

  • Hausarzt, Impfzentrum, Drive-In, Newsletter – so kommen Sie jetzt an Ihren Impf-Termin
  • Biontech, Moderna, Astrazeneca (Vaxzevria), Curevac – Die wichtigsten Coronavirus-Impfstoffe im Check

Ärzteverband fordert Reform, um Unabhängigkeit der Impfkommission abzusichern

Samstag, 31. Juli, 07:51 Uhr: Angesichts des politischen Drucks auf die Ständige Impfkommission (Stiko) hat der Verband der Amtsärzte angeregt, die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Einrichtung organisatorisch abzusichern. "Man müsste überlegen, wie die Stiko künftig aufgehängt ist, um ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu sichern", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, der "Ärzte Zeitung" (Online).

Derzeit ist die Stiko am Robert Koch-Institut angesiedelt, einer Bundesbehörde. Damit gerate die Stiko aber "in den Bereich Politik und Politikberatung", erklärte Teichert. Auch brauche die Kommission hauptamtliche Strukturen, die die professionelle Arbeit der ehrenamtlich tätigen Kommissionsmitglieder unterstütze.

Seit Wochen werden die Wissenschaftler der Impfkommission von Politikern gedrängt, eine ausdrückliche Empfehlung zur Corona-Impfung älterer Kinder und Jugendlicher auszusprechen. Bisher tut sie das nur vorerkrankte. Allerdings hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA mehrere Impfstoffe für Kinder ab zwölf Jahren grundsätzlich zugelassen, Eltern und Kinder können sich daher nach Beratung mit einem Arzt dennoch für eine Impfung entscheiden. Zuletzt hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) auf die EMA verwiesen und gesagt, er wolle die Stiko "an ihre Verantwortung erinnern".

Der Stiko-Chef, der Virologe Thomas Mertens, reagiert mit Unverständnis. "Die EMA bewertet, ob ein Impfstoff grundsätzlich sicher und wirksam ist. Individuelle Impfempfehlungen kann sie aber schon wegen der unterschiedlichen Regeln und epidemiologischen Voraussetzungen in den Mitgliedsstaaten nicht aussprechen", sagte er der "Schwäbischen Zeitung". Die Stiko gehe "wesentlich tiefer in der Auswertung der verfügbaren Daten".

"Zum einen zeigen unsere Erhebungen und Modelle deutlich, dass Jugendliche wesentlich seltener schwer erkranken als Erwachsene und zum anderen hat die Impfung dieser Altersgruppe relativ geringe Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Pandemie", erklärte er. Die Stiko werde an ihrem Vorgehen festhalten. "Wir nehmen uns weiter die Zeit, die wir brauchen, um alle Daten auszuwerten, wie es unserem Auftrag entspricht."

Nach der Söder-Kritik schießt Impfverweigerer Aiwanger jetzt zurück

20.39 Uhr: Der Streit zwischen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und seinem Vize Hubert Aiwanger geht in die nächste Runde. Nach Söders Kritik an Aiwanger wehrt sich dieser und wirft der CSU Wahlkampftaktik vor. "Die CSU hat offenbar Angst vor einem schlechten Bundestagsergebnis und greift deshalb ohne Not den eigenen Koalitionspartner an", sagte der Chef der Freien Wähler der "Bild".

"Ich wurde vor laufender Kamera zu meinem Impfstatus gefragt und vertrete die Meinung, dass Impfen ein wichtiger Baustein der Corona-Bekämpfung ist, aber trotzdem eine persönliche Entscheidung bleiben muss. Das hat nichts mit Schamanentum oder Querdenken zu tun, sondern ist ein persönliches Freiheitsrecht", sagte Aiwanger, der bislang auf eine Corona-Impfung verzichtet hat.

Söder hatte dem "Spiegel" zuvor mit Blick auf Aiwanger gesagt: "Wer glaubt, sich bei rechten Gruppen und Querdenkern anbiedern zu können, verlässt die bürgerliche Mitte und nimmt am Ende selbst Schaden." Aiwanger hatte zuletzt von einer "Jagd" auf Ungeimpfte in Deutschland gesprochen und auch vor einer "Apartheids-Debatte" gewarnt, die von Impfgegnern losgetreten werden könnte, sollten Ungeimpfte weniger Rechte bekommen. Der bayerische Wirtschaftsminister kandidiert für den Bundestag und hofft, mit seiner Partei die Fünf-Prozent-Hürde zu durchbrechen.

Bratwurst-Versprechen sorgt für Riesen-Ansturm auf Thüringer Impftermine

dpa/Martin Schutt/zb/dpabild Eine Thüringer Bratwurst.  

20.19 Uhr: Eine Bratwurst als Belohnung hat der Impfstelle im südthüringischen Sonneberg am Freitag einen regelrechten Ansturm auf Covid-19-Impftermine beschert. Bis zum Nachmittag kamen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 250 Menschen, um sich neben der Spritze in den Oberarm auch noch die kulinarische Spezialität abzuholen.

Normalerweise würden in der Impfstelle pro Tag durchschnittlich bis zu 140 Impfungen verabreicht, sagte der Leiter des KV-Pandemiestabs, Jörg Mertz, auf Anfrage. Die Thüringer Bratwurst genießt neben Klößen einen geradezu legendären Ruf – auch über die Landesgrenzen hinaus. Für Einheimische ist sie so etwas wie ein Nationalgericht.

Das erstmals angebotene "Bratwurst-Impfen" ist eine von mehreren Ideen, mit denen Thüringen der zunehmenden Impfmüdigkeit begegnen will. Dazu gehören nach Angaben des Gesundheitsministeriums auch Impfangebote bei Fußballspielen des Viertligisten FC Carl Zeiss Jena oder solche des Nachts.

Riesige Mail-Panne in Essen: Stadt verschickt versehentlich Daten von 13.000 Impfwilligen

16.55 Uhr: Die Stadt Essen hat am Freitag versehentlich die Daten von 13 000 Bürgern, die sich für eine Corona-Schutzimpfung angemeldet haben, in einer Mail an 700 Empfänger verschickt. Eine Sprecherin der Stadt bestätigte die Datenpanne. "Es war ein menschlicher Fehler, wir können uns dafür nur entschuldigen", sagte die Sprecherin. Der Landesdatenschutz sei verständigt worden. Die Stadt habe außerdem allen 700 Adressaten noch mal geschrieben und darum gebeten, den Irrläufer zu löschen. Einige Bürger hätten sehr erbost auf den Fehler reagiert, berichtete die Sprecherin. Zuvor hatte die "WAZ" berichtet. Oliver Berg/dpa/Symbolbild Ein Hausarzt impft einen Jugendlichen in seiner Praxis.

Anlass seien die veränderten Öffnungszeiten im Essener Impfzentrum gewesen, teilte die Sprecherin mit. Angeschrieben wurden die 700 Menschen, die bis zum 15. August einen Impftermin nach 18.00 Uhr vereinbart hatten und jetzt wegen der kürzeren Öffnungszeiten gebeten werden sollten, einen anderen Termin zu nehmen. Die Gruppe wurde aus Excel-Dateien aller 13 000 Impfwilligen bis Mitte August generiert. Versehentlich seien diese Dateien dann vor dem Abschicken der Mail nicht gelöscht worden. Sie enthielten Namen, Anschrift und Geburtsdatum, vielfach auch Telefonnummern und Mailadressen sowie den Impfstatus.

Sächsische Impfkommission empfiehlt Corona-Schutzimpfung ab zwölf

14.57 Uhr: Die Sächsische Impfkommission (Siko) empfiehlt eine Corona-Schutzimpfung für alle Kinder ab zwölf Jahren. Das geht aus einem Update der Empfehlungen zum 1. August hervor. Darüber hatten die "Sächsische Zeitung" und der MDR am Freitag berichtet.

Damit hat die Siko ihre Impfempfehlung für Kinder ausgeweitet. Bisher hatte sie die Schutzimpfung im Alter von 12 bis 15 Jahren bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf empfohlen – sowie für alle nach einer ausführlichen Aufklärung.

In die neue Bewertung seien Daten aus den USA und Israel eingeflossen, schreibt die Impfkommission. Die Nutzen-Risiko-Abwägung falle demnach zugunsten der Impfung für alle Kinder ab zwölf aus. Die Mediziner haben dabei vor allem den Zusammenhang zwischen einer Impfung und Herzmuskelentzündungen bei Jugendlichen und jungen Männern angeschaut.

Die Siko-Empfehlung weicht nunmehr von der Haltung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts ab. Diese empfiehlt bislang eine Impfung nur für 12- bis 17-Jährige, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung haben. Sachsen hat als einziges Bundesland eine eigene Impfkommission.

Weidel will sich vorerst nicht gegen Corona impfen lassen

12.54 Uhr: Die Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl, Alice Weidel, will sich auf absehbare Zeit nicht gegen Covid-19 impfen lassen. Im ZDF-Morgenmagazin sagte sie am Freitag außerdem, es sei für sie nicht akzeptabel, "dass gesunde Ungeimpfte diskriminiert werden". Im Kurznachrichtendienst Twitter gab es für ihre Äußerungen viel Kritik, aber auch Zuspruch von einigen Impfgegnern. Michael Kappeler/dpa Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat sich bislang nicht impfen lassen. Dafür hat der Chef der Freien Wähler Kritik einstecken müssen, auch vom Koalitionspartner CSU. Zu den Spitzenpolitikern der AfD, die sich nach eigener Aussage haben impfen lassen, zählen unter anderem Alexander Gauland, der die AfD-Bundestagsfraktion gemeinsam mit Weidel leitet, und der Parteivorsitzende Jörg Meuthen. Sie haben sich – so wie auch mehrere Bundesminister – deutlich gegen die Einführung einer Covid-19-Impfpflicht ausgesprochen.

Tschechien schenkt geimpften Staatsbediensteten freie Tage

12.42 Uhr: Die Staatsbediensteten in Tschechien erhalten eine Belohnung, wenn sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen oder schon geimpft sind. Je Impfdosis gibt es einen zusätzlichen bezahlten freien Arbeitstag, wie die Regierung in Prag am Freitag beschloss. Damit wolle man noch mehr Menschen zu diesem Schritt motivieren, betonte Ministerpräsident Andrej Babis. Er rief die Wirtschaft auf, diesem Beispiel zu folgen.

Rettung oder Risiko?: Wirkungsweisen, Schutz und Nebenwirkungen der Hoffnungsträger

Die freien Tage werden auch rückwirkend für alle seit Jahresbeginn verabreichten Impfungen gutgeschrieben. Tschechien kämpft mit ersten Anzeichen von Impfmüdigkeit. Bisher sind 4,6 Millionen der 10,7 Millionen Einwohner vollständig geschützt. In der Hauptstadt Prag soll nun ein mobiler Bus eingesetzt werden, der die Spritzen gegen das Virus ohne Anmeldung anbietet. Fabian Sommer/dpa/Archivbild Eine Sanitäter zieht den Corona-Impfstoff von Biontech in eine Spritze.

In Tschechien stehen Anfang Oktober Parlamentswahlen an. Nach einer Umfrage der Meinungsforschungsagentur CVVM vom Freitag würde die ANO von Babis mit 23,5 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Auf dem zweiten Platz würde das liberalkonservative Oppositionsbündnis Spolu (Gemeinsam) mit 21,5 Prozent landen.

Söder schießt gegen Impf-Verweigerer Aiwanger: "Der Sound der Argumente verstört"

12.36 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist nach dessen jüngsten Äußerungen zu Corona-Impfungen auf Distanz zu seinem Stellvertreter Hubert Aiwanger gegangen. "Ich mache mir Sorgen um ihn", sagte Söder dem "Spiegel". "Er wandelt auf einem schmalen Grat", sagte der CSU-Chef mit Blick auf den Vorsitzenden der Freien Wähler. "Unabhängig davon, dass es in der Sache falsch ist, verstört der Sound der Argumente." Sven Hoppe/dpa Markus Söder (r, CSU) und Markus Blume sitzen vor Beginn der Klausur des CSU-Vorstands auf ihren Plätzen.

Aiwanger lehnt seit Monaten eine eigene Corona-Impfung ab, trotz Drucks durch Söder. Nachdem er dies zunächst noch mit Abwarten erklärt hat, begründete der 50-Jährige seinen Verzicht zuletzt mit massiven Nebenwirkungen in seinem Bekanntenkreis durch die Impfung, ohne dies allerdings konkret zu untermauern. Außerdem sprach Aiwanger von einer "Jagd" auf Ungeimpfte.

Söder sieht bewusstes Kalkül hinter den Aussagen des mit den Freien Wählern auf einen Einzug in den Bundestag hoffenden Aiwangers. "Wer glaubt, sich bei rechten Gruppen und Querdenkern anbiedern zu können, verlässt die bürgerliche Mitte und nimmt am Ende selbst Schaden."  Deutschland stehe auf der höchsten Stufe der menschlicher Zivilisation und sei beim Impfen "zum Teil mit Argumenten aus dem Mittelalter konfrontiert", sagte Söder. "Wer meint, in einem solchen Becken fischen zu können, der riskiert, darin zu ertrinken."

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