Maskenpflicht ab Herbst: Großer Check zeigt, was Masken wirklich bringen

Mit dem neu angepassten Infektionsschutzgesetz soll die Maskenpflicht ab Oktober zurückkehren. Doch was bringt der Mund-Nasen-Schutz wirklich? Und schützen FFP2-Masken tatsächlich besser als medizinische Masken? Wir haben die wichtigsten Infos für Sie zusammengefasst.

Schon lange stand die Anpassung der Corona-Schutzauflagen angesichts einer möglichen Corona-Herbstwelle im Raum. Nun haben sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundesjustizminister Marco Buschmann auf eine Strategie geeinigt. Es fehlt nur noch die Zustimmung des Parlaments.

Mehr Hintergrund zu Omikron


  • Husten, Fieber, Halsschmerzen! Das hilft gegen häufigste Omikron-Symptome


  • Omikron überstanden? So schnell können Sie sich erneut anstecken


  • Virenschleuder-Potenzial: 2 Dinge sollten Sie nach Ihrer Omikron-Infektion wegwerfen!


  • Sport nach Corona: Wie lange Geimpfte und Ungeimpfte Pause machen sollten


  • Warum sich manche Menschen nicht mit Corona anstecken

  •  

    Neues Infektionsschutzgesetz beschließt Maskenpflicht im öffentlichen Raum

    Nach dem neuen Entwurf soll es Ländern ab dem 1. Oktober wieder möglich sein, eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum – zum Beispiel in Geschäften, Restaurants oder Schulen ab der fünften Klasse – zu verhängen. In Fernzügen und Flugzeugen sollen ausschließlich FFP2-Masken vorgeschrieben sein – bislang waren hier auch medizinische Masken erlaubt. Zudem soll es auch eine Masken- und Testpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geben.

    • Lesen Sie auch: Beenden diese Vakzine endlich die Pandemie?

    Doch kann uns eine generelle Maskenpflicht im öffentlichen Raum aus Expertensicht tatsächlich vor einer Corona-Herbstwelle schützen? Und schützen FFP2-Masken tatsächlich besser als die medizinische Variante?

    Masken schützen vor Tröpfcheninfektion

    Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus ist – neben der Tröpfcheninfektion – die Infektion über Aerosole. Infizierte Personen geben beim Husten, Niesen und selbst Sprechen feine Tröpfchen an die Umwelt ab, die Virenpartikel in sich tragen. Trägt eine infizierte Person eine Maske, wird ein Großteil der Tröpfchen zurückgehalten – das Risiko einer Infektion sinkt demnach deutlich, das belegen mittlerweile zahlreiche Studien.

    Wie gut schützen Masken wirklich?

    In einer Studie des Max-Planck-Instituts aus dem vergangenen Jahr wurde untersucht, wie hoch das jeweilige Corona-Infektionsrisiko in verschiedenen Situationen mit und ohne Maske ist.

    Dabei erkannten die Forscher, dass selbst ein Abstand von drei Metern zu einer infizierten und ansteckenden Person ohne Maske mit hundertprozentiger Sicherheit zu einer Corona-Infektion führt. Folgende Szenarien wurden hinsichtlich des geringeren Infektionsrisikos durch das Tragen einer Maske geprüft.

    • Szenario 1: Eine infizierte und eine nicht infizierte Person tragen beide eine gut sitzende FFP2-Maske: Ansteckungsrisiko nach 20 Minuten selbst auf kürzeste Distanz kaum mehr als ein Tausendstel
    • Szenario 2: Eine infizierte und eine nicht infizierte Person tragen beide eine schlecht sitzende FFP2-Maske: Ansteckungsrisiko steigt auf circa vier Prozent
    • Szenario 3: Eine infizierte und eine nicht infizierte Person tragen beide eine gut angepasste OP-Maske: Ansteckungsrisiko nach 20 Minuten bei höchstens zehn Prozent

    Das Tragen einer Maske – ob FFP2 oder medizinisch – reduziert das Infektionsrisiko also um das Vielfache. Auch zeigt die Studie, dass eine gut sitzende FFP2-Maske in der Regel noch besser schützt, als eine gut sitzende medizinische Maske. Doch was bedeutet „gut sitzend“?

    • Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Stiko empfiehlt vierte Impfung für Über-60-Jährige – was Sie wissen müssen

    So legen Sie die Maske richtig an

    Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt auf seiner Webseite Hinweise zum richtigen Tragen der FFP2-Maske. Wir haben die wichtigsten Schritte zum An- und Ablegen zusammengefasst:

    • Vor dem Anlegen die Hände waschen. Die Innenseite der Maske nicht berühren.
    • Die Maske muss an den Rändern eng anliegen und durchgehend Mund und Nase bedecken.
    • Während des Tragens sollten Sie die Maske nicht berühren.
    • Ist die Maske durchfeuchtet, sollte sie gewechselt werden.
    • Zum Abnehmen an den seitlichen Schnüren oder Gummis greifen. Die Vorderseite nicht berühren. Nach dem Abnehmen die Hände waschen.

    Können FFP2-Masken wiederverwendet werden?

    Vor allem hinsichtlich des deutlich höheren Preises im Vergleich zu medizinischen Masken, stellt sich die Frage, wie lange eine FFP2-Maske getragen werden sollte. Laut dem RKI sollte die durchgehende Tragedauer 75 Minuten nicht überschreiten. Im professionellen Bereich sollten Masken nicht wiederholt verwendet werden.

    Privat können Masken unter bestimmten Bedingungen wiederverwendet werden, das belegten Wissenschaftler der Fachhochschule Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in einer Untersuchung. Nach sieben Tagen lüften und trocknen lassen reduziert sich die Menge der infektiösen Coronaviren auf ein akzeptables Maß.

    • Auch spannend: Harvard-Entdeckung macht Hoffnung auf Universal-Impfstoff

    Sie sollten eine FFP2-Maske demnach nicht an aufeinanderfolgenden Tagen, sondern frühestens wieder ab dem siebten Tag getragen werden. Außerdem sollten die „Trockenzyklus“ nur maximal fünf Mal wiederholen. Entsorgen sollten Sie die Maske zudem immer, wenn Sie merken, dass eine Maske defekt ist, Sie direkt angehustet wurden oder eine Maske besonders beansprucht ist.

    Zuspruch:„Maske ist leicht erkennbar, identifizierbar und wirksam“

    Vor dem Hintergrund der Studienlage zur Wirksamkeit der Masken bewertet auch Ralf Reintjes, Epidemiologe an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Maßnahme der Maskenpflicht im Flieger, Fernverkehr sowie in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern im Gespräch mit FOCUS Online als sinnvoll.

    Auch Alexander Kekulé fast die offensichtlichen Vorteile eines Mund-Nasen-Schutzes im MDR-Podcast „Corona-Kompass“ kurz und knapp zusammen: „Die Maske ist leicht erkennbar, sie ist leicht identifizierbar. Und sie ist sehr wirksam.“

    Kritik: „Maskenpflicht ist nicht verhältnismäßig und nachvollziehbar“

    Die Anpassung der Schutzmaßnahmen trifft dennoch auf reichlich Kritik. Nach den Aussagen des Hauptgeschäftsführers des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow, sei eine Verschärfung der Maskenpflicht „nicht verhältnismäßig und nicht nachvollziehbar“. Da es sie in kaum einem anderen europäischen Land gebe, sei sie „heute schon nur schwer vermittelbar“, bemängelt von Randow im Gespräch mit der der „Bild“-Zeitung.

    Auch die Änderung des Ursprungsentwurfs hinsichtlich möglicher Ausnahmen der Maskenpflicht – beispielsweise für Geimpfte und Genesene – zum Beispiel in Restaurants – treffen auf Unverständnis.

    Die zuvor geplanten Ausnahmen wurden in eine Kann-Regelung für die Länder umgewandelt. Eine zwingende Ausnahme von der Maskenpflicht soll es demnach nur dann geben, wenn die Person frisch getestet ist.

    • Lesen Sie auch: Risiko-Gen erklärt, warum Corona auch junge Menschen schwer trifft

    Reintjes bewertet die „Kann-Option“ der Länder als überaus fragwürdig. „Ich sehe hier die Gefahr, dass die Umsetzung in der Praxis erschwert wird und somit der Schutzeffekt der Maßnahmen verringert wird. In der Epidemiologie spricht man von einem zu erwartenden Verdünnungseffekt.“, erklärt der Experte.

    Zudem betont er, dass es aus epidemiologischer und aus Sicht der praktischen Realisierbarkeit zum Schutz vieler Bürger sinnvoller wäre, eine bundeseinheitliche Regelung einzuführen, als mit einem „Flickenteppich“ an verschiedenen Regelungen konfrontiert zu werden.

    Fragen in der Umsetzung, im Vollzug und in der Praktikabilität

    Auch viele Bundesländer kritisieren die geplanten Regelungen. „Das Gesetz wirft viele, viele Fragen auf in der Umsetzung, im Vollzug, in der Praktikabilität“, meint Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

    In der Debatte zu den bislang sehr schwammig formulierten Regelungen fordert Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, vor allem eine klare Regelung zu Maskenpflichten: „Die Politik muss sich entscheiden, im Falle hoher Inzidenzen entweder eine generelle Maskenpflicht in Innenräumen und in öffentlichen Verkehrsmitteln für alle verpflichtend zu machen oder diese Schutzmaßnahme grundsätzlich der Eigenverantwortung der Menschen zu überlassen, so wie dies in vielen europäischen Ländern mittlerweile üblich ist“, erläutert Gaß im Gespräch mit der „Rheinischen Post“.

    Sehen Sie im Video:

    Wirtschaftsexperte zerlegt Kretschmanns Waschlappen-Tipp, FDP-Politiker legt nach

    FOCUS online/Wochit Wirtschaftsexperte zerlegt Kretschmanns Waschlappen-Tipp, FDP-Politiker legt nach  

    Quelle: Den ganzen Artikel lesen