Aerosol-Experte: Maskenpflicht erst draußen aufheben / Lauterbach kritisiert ungenaue Impfzahlen auf lokaler Ebene / In Indien entdeckte Corona-Variante heißt jetzt Delta / Public-Viewing-Fläche für Olympia wird zunächst Impfstation
Seit dem Beginn der Corona-Pandemie überschlagen sich an manchen Tagen die Nachrichten zu COVID-19.
Um Ihnen den Überblick zu erleichtern, bietet DAZ.online Ihnen hier einen Überblick über die wichtigsten Corona-News des Tages – direkt aus dem News-Kanal der Deutschen Presse-Agentur.
10:10
Tokio (dpa) – Olympia-Gastgeber Tokio will einen für Public Viewing geplanten Park im Zentrum der japanischen Hauptstadt zunächst als Impfstation nutzen. Das sagte Tokios Gouverneurin Yuriko Koike am Dienstag laut örtlichen Medien im Stadtparlament. Die Frage, ob der im Volk beliebte Yoyogi-Park tatsächlich während der Sommerspiele für Public Viewing benutzt wird, ließ Koike unbeantwortet. Kritiker befürchten eine Ausbreitung des Coronavirus, sollten sich wie geplant Hunderte von Menschen in einer abgesperrten «Olympic Live Zone» inmitten des Parks auf großen Leinwänden die Wettbewerbe anschauen. Für diesen Zweck wurden bereits Bäume gestutzt, was ebenfalls für Kritik sorgte. Tokio plant laut Medien 12 Public Viewing-Standorte.
Vor dem Hintergrund des äußerst langsam angelaufenen Impfprozesses in Japan plane die Hauptstadt, ab dem 8. Juni auf dem Gelände des früheren Tokioter Fischmarkts Tsukiji mit der größer angelegten Impfung von 60 000 Mitarbeitern der Polizei und Feuerwehr zu beginnen, hieß es. Da das Gelände jedoch während der Olympischen Spiele zu Transportzwecken genutzt werden soll, werde es ab Ende Juni abgesperrt. Laut Koike soll stattdessen der Public-Viewing-Bereich im Yoyogi-Park ab Juli für Impfungen genutzt werden. Auf die Frage von Reportern, ob am Ende tatsächlich dort Public Viewing stattfinden wird, sagte Koike, zunächst wolle man sich aufs Impfen fokussieren. Tokio befindet sich vorläufig noch bis 20. Juni im Corona-Notstand.
8:41 Uhr
DGB-Chef Hoffmann knüpft Homeoffice-Pflicht an Impf-Fortschritt
Berlin (dpa) – Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hat sich trotz sinkender Corona-Inzidenzwerte gegen ein baldiges Auslaufen der Homeoffice-Pflicht ausgesprochen. „Auch wenn die Infektionszahlen endlich zurückgehen – es wäre unverantwortlich, jetzt alle wirkungsvollen Mechanismen des Infektionsschutzes über Bord zu werfen“, sagte Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag). Gerade die Unternehmen stünden im besonderen Maße in der Pflicht, für einen wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu sorgen. Dieser beinhalte zweifelsohne auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. „Solange nicht ein Großteil der Beschäftigten vollständig geimpft ist, dürfen sich die Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung ziehen.“
Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass mobiles Arbeit in einem weit größeren Umfang möglich sei, als bisher angenommen – aber auch die Schattenseiten offengelegt, sagte der DGB-Chef. Deswegen fordere der DGB einen gesetzlichen Regelungsrahmen für mobiles Arbeiten. Stärkere Mitbestimmungsrechte spielten eine zentrale Rolle. Dort, wo Mitbestimmung und Tarifbindung funktionierten, seien bereits vor der Krise, aber auch in den letzten Monaten passgenaue Vereinbarungen zur Regelung mobilen Arbeitens abgeschlossen worden.
FDP-Generalsekretär Volker Wissing forderte mit Blick auf die sinkenden Infektionszahlen und Öffnungen eine schnelle Rückkehr in die Büros. „Es macht ja keinen Sinn zu sagen: Biergarten geht, Büro geht nicht. Also Regeln müssen immer den Umständen angepasst werden“, sagte Wissing am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Die Pflicht zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden sei eine große Belastung für die Wirtschaft. „Wir dürfen jetzt nicht unnötige Belastungen unnötig lange fortführen.“
6:15
7-Tage-Inzidenz erstmals seit drei Wochen wieder leicht gestiegen
Berlin (dpa) – Erstmals seit drei Wochen liegt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder höher als am Vortag. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstagmorgen hervor. Demnach wurden den Gesundheitsämtern zuletzt 35,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gemeldet. Einen Tag zuvor wurde der Wert noch mit 35,1 angegeben (Vorwoche: 58,4). Zuletzt gestiegen war die Inzidenz von 9. auf den 10. Mai, seitdem war sie kontinuierlich gefallen. Was der Inzidenz-Anstieg genau bedeutet, ist nur schwer einzuschätzen. Das RKI hatte nach dem Pfingstmontag (24.5.) darauf hingewiesen, dass der Feiertag zunächst zu weniger gemeldeten Erregernachweisen – und damit einer niedrigeren Inzidenz – geführt haben dürfte.
Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 1.785 Corona-Neuinfektionen, wie aus RKI-Angaben hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 06:09 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1.911 Ansteckungen gelegen.
Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 153 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 33 Tote gewesen.
Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.682.911 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.
Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.498.400 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 88.595 angegeben.
Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Montagnachmittag bei 0,76 (Vortag: 0,75). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 76 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.
6:00
Aerosol-Experte: Maskenpflicht erst draußen aufheben
Gemünden (Wohra) (dpa) – Die Maskenpflicht sollte aus Sicht eines Aerosol-Forschers zuerst im Freien und in großen Hallen aufgehoben werden, bevor man den Einzelhandel angeht. Zwar seien Masken kein Allheilmittel, um eine Corona-Infektion durch Virenübertragung in der Luft zu verhindern, sagte der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, der Deutschen Presse-Agentur. Aber gerade in kleinen, engen, unbelüfteten Räumen sei die Gefahr am höchsten.
Als Beispiel nannte Scheuch Aufzüge. «Hier sind oft nur zwei bis vier Kubikmeter Luft. Wenn Leute drin sind, noch weniger.» Dann könne man sich schon während der Fahrt in den sechsten Stock anstecken. «Selbst wenn der Aufzug leer ist», warnte der Experte. «Die Wolke bleibt drin.» Masken zu tragen sei etwa auch bei Taxifahrten oder in Fahrschul-Autos sehr sinnvoll, sowie auf öffentlichen Toiletten. «Es sind oft Räume, an die man im ersten Moment überhaupt nicht denkt.»
Bevor man den Einzelhandel wie beispielsweise kleine Souvenirläden für Kunden ohne Maske öffnet, sollte man aus seiner Sicht zunächst alle Outdoor-Aktivitäten maskenlos erlauben – etwa Parks und Zoologische Gärten. Auch in großen Theatern und Museen, Freibädern, Schwimm- und Sporthallen sei das Ansteckungsrisiko nicht so hoch, weil die Volumina an Luft groß seien. «Da reicht die Aerosolkonzentration kaum aus, um andere zu gefährden.» Wichtig sei aber, aufs Detail zu achten: Selbst in Freibädern seien dann wieder die Umkleiden eng. «Da muss man schauen, dass die super belüftet sind», sagte Scheuch.
5:03
Lauterbach kritisiert ungenaue Impfzahlen auf lokaler Ebene
Mainz (dpa) – Epidemiologen bemängeln das Fehlen lokaler Impfdaten und befürchten daher, dass es örtlich neue Corona-Wellen geben könnte. «Wir erheben nicht ausreichend gut, wo die Menschen leben, die geimpft werden», sagte unter anderem der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im ARD-Politmagazin «Report Mainz». So könne man nicht erkennen, wo genügend Menschen geimpft seien und wo nicht. Dort, wo die Impfquote nicht hoch genug sei, drohten im Herbst Ausbrüche und lokale vierte Wellen.
Grund für ungenaue Zahlen zu Geimpften auf lokaler Ebene sind laut dem Bundesgesundheitsministeriums (BMG) unterschiedliche Meldepflichten bei Impfzentren und Arztpraxen. Letztere übermitteln ihre Daten demnach nicht täglich, sondern erst mit der Quartalsabrechnung, an die Kassenärztliche Vereinigung.
Lauterbach und der Epidemiologe Oliver Razum von der Universität Bielefeld fordern daher in «Report Mainz» Zahlen zum Impffortschritt auf lokaler Ebene, um Impflücken zu erkennen. Dann könne man dort gezielt Impfangebote schaffen, erklärte Lauterbach.
Mo, 31.05.2021
19:49
In Indien entdeckte Corona-Variante heißt jetzt Delta
Genf (dpa) – Die zuerst in Indien entdeckte besonders ansteckende Coronavirus-Variante B.1.617.2 heißt nun Delta. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat beschlossen, die einzelnen Varianten nach dem griechischen Alphabet zu benennen, wie sie am Montagabend mitteilte. Damit soll vermieden werden, dass Länder oder Regionen mit bestimmten Virusvarianten in Verbindung gebracht und Menschen, die dort leben oder von dort kommen, diskriminiert werden.
Nach dem neuen Schema heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Virusvariante B.1.1.7 nun Alpha, die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351 Beta und die in Brasilien zuerst nachgewiesene Variante P.1 Gamma. Dies sind die zurzeit von der WHO aufgeführten «Besorgniserregenden Varianten». Weitere «Varianten von Interesse» sind ebenfalls mit Buchstaben aus dem griechischen Alphabet versehen worden.
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