DDR-Pharmazie-Ingenieure hinterlassen Lücken

Pharmazie-Ingenieure sind ein DDR-Relikt in deutschenApotheken. Die letzten so ausgebildeten Fachleute haben ihr Studium kurz vordem Mauerfall begonnen. 30 Jahre später hinterlässt ihr allmählichesAusscheiden Lücken.

Im weißgefliesten Labor hinter dem Verkaufsraum der WeimarerClassic-Apotheke rührt Sabine Fink eine Salbe an. Die 52-Jährige hat reichlichErfahrung in der Fertigung von Medikamenten per Hand. Seit 1989 arbeitet Fink als Pharmazie-Ingenieurin – ein Berufsbild,das es nur in der DDR gab. 30 Jahre nach der deutsch-deutschen Grenzöffnungverschwindet es allmählich: Immer mehr der Ingenieure gehen in Rente.Ostdeutsche Apothekenkammern sehen das mit Sorge, sie fürchtenPersonalengpässe.

Pharmazie-Ingenieure, deren Qualifikation mit einemFachhochschulabschluss vergleichbar ist, dürfen mehr alspharmazeutisch-technisches oder kaufmännisches Apothekenpersonal mit einer klassischenBerufsschulausbildung. Der wesentliche Unterschied zur PTA ist, dass sie auchden Notdienst in einer Apotheke übernehmen und bis zu vier Wochen die Inhabervertreten dürfen. Vergleichbar sind die Befugnisse der Pharmazie-Ingenieure mit denen der im Westen der Republik ebenfalls verschwindenden Berufsgruppe der Apothekerassistenten beziehungsweise Vorexaminierten.

Die ostdeutschen Fachkräfte bedeuteten für die Apothekeninhaber eine großeEntlastung, betont Christine Heinrich, Geschäftsführerin der ApothekerkammerSachsen-Anhalt. „Anderenfalls müssten sie Apotheker einstellen, die aber geradeauf dem Land schwer zu kriegen sind.“ Noch etwa 4.400 Pharmazie-Ingenieure „madein DDR“ sind laut Bundesapothekerkammer heute noch in Deutschland tätig.

Lehre, Praxis und Studium an der Ingenieurschule

Sabine Fink hat ihre Ausbildung kurz vor dem Mauerfall 1989beendet. „Erst zwei Jahre Lehre bis zum Facharbeiter, danach ein Jahr Arbeit inder Apotheke, anschließend zwei Jahre Direktstudium an der Ingenieurschule inLeipzig plus ein halbes Jahr praktische Ausbildung“, beschreibt sie ihrenberuflichen Start. Auch die Variante als Fernstudium sei möglich gewesen.Anfang der 1990er Jahre sei der Ingenieur-Studiengang eingestellt worden.

Die Anerkennung von in der DDR erworbenen schulischen, beruflichenund akademischen Abschlüssen nach 1990 als gleichwertig regelte derdeutsch-deutsche Einigungsvertrag. Fink stellte auf dieser Grundlage einenAntrag auf Anerkennung und Nachdiplomierung bei der zuständigen sächsischenBehörde. „Es kostete eine Gebühr, war aber problemlos“, erzählt sie. „Manmusste nur wissen, dass man das beantragen kann.“ Zehntausende vonDDR-Fachschulabsolventen der verschiedensten Fachgebiete gingen diesen Weg.

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