Massive Ausfälle drohen: Wie wir Omikron ausbremsen, bevor es uns ausbremst

Omikron kann ein Problem für die Gesundheit jedes Einzelnen werden. Doch nicht nur das: Auch ganze Branchen könnte die Variante lahmlegen – wenn tausende Feuerwehrleute, LKW-Fahrer, Lehrkräfte erkranken. Wie wir die Omikron-Welle jetzt abmildern können – noch.

„So geht es los. Omikron wird zu massiven krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führen. Auch in essentiellen Berufsgruppen“, twittert Christian Drosten. Der Charité-Virologe teilt mit diesen Worten einen Artikel des britischen „Guardian“. In Großbritannien hat sich die neue Coronavirus-Variante Omikron schon stark verbreitet. Und sie führt zu massiven Problemen. 

In den Krankenhäusern fehlt Personal, weil es erkrankt oder in Quarantäne ist. Innerhalb eines Tages war deren Zahl um 25 Prozent gestiegen. Ein Phänomen, das nicht nur die Gesundheitsbranche trifft. Auch die Feuerwehr Londons verzeichnet knapp zehn Prozent Ausfälle, weil Feuerwehrleute in Selbstisolation müssen oder positiv auf Corona getestet wurden. Jon Lambe, Regionalsekretär der Fire Brigades Union (FBU) sagte: „Die neue Omikron-Variante hat eine verheerende Auswirkung auf Londons Feuerwehr.“

„Gefahr von Kaskaden von infrastrukturellen Ausfällen“

Szenarien wie diese lassen sich auf viele Branchen übertragen. Je höher der Infektionsdruck im Land ist, desto wahrscheinlicher fallen ganze Bereiche der Infrastruktur aus. Supermärkte, Lieferketten, Tankstellen, Energieversorger könnte es treffen. Davor warnte Physiker und Modellierer Dirk Brockmann, der auch das Robert-Koch-Institut (RKI) berät. „Wenn synchron, mit massiver Geschwindigkeit und in hoher Zahl krankheitsbedingte Arbeitsausfälle stattfinden, auch wenn in diesen Fällen die Verläufe bestenfalls nicht schwer sind, birgt das die Gefahr von Kaskaden von infrastrukturellen Ausfällen“, schrieb Brockmann. Und forderte: „Das muss auf den Schirm.“

Schon an Weihnachten könnte zehn Prozent des Krankenhauspersonals in Großbritannien krankheitsbedingt ausfallen. Das berechnete die British Medical Association für den Fall, dass die Regierung keine weiteren Maßnahmen ergreifen sollte. Ein Notarzt und Anästhesist bestätigte die dramatische Situation in den deutschen Kliniken: „Selbst viele milde Krankheitsfälle und Quarantänen können das Gesundheitssystem komplett zum Zusammenbruch bringen, wenn die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. Der Personalmangel ist nicht zu kompensieren. Darin sehe ich die größte Gefahr der nächsten Welle.“

Omikron massiv ausbremsen

Gleichermaßen alarmiert wie Drosten und Brockmann zeigte sich die Schweizer Virologin Isabella Eckerle. Da auch bei uns Situationen wie in Großbritannien zu erwarten seien, sollte man in den nächsten Wochen vermeiden, ins Krankenhaus zu kommen. Das ließe sich allerdings nicht immer selbst steuern, denkt man an Herzinfarkte oder Unfälle. Eckerle mahnt daher: „Deswegen wichtig, Omikron massiv auszubremsen.“

Die Forderung aus Expertenkreisen an die politisch Verantwortlichen ist demnach klar: Es müssen jetzt Maßnahmen ergriffen werden, um die Omikron-Welle zu bremsen – bevor sie uns ausbremst. Bevor die Welle tatsächlich eine Wand wird, wie es der „Zeit“-Journalist Christian Endt modellierte.

3. Schnelltests bei Veranstaltungen

Ein entscheidender Punkt, um gegen Omikron anzukommen, sind Schnelltests. Das betonte der Virologe Alexander Kekulé in seiner FOCUS-Online-Kolumne: Bei Freizeitveranstaltungen in Innenräumen für Geimpfte und Genesene könne nicht mehr auf die Schnelltests verzichtet werden. Aufgrund der immunologischen Besonderheiten der Omikron-Variante seien Geimpfte und Genesene nicht auseichend vor Infektion und Weitergabe des Erregers geschützt.

Auf Schnelltests und begrenzte Teilnehmerzahlen für 2G-Veranstaltungen zu verzichten, sei wegen der häufigen Impfdurchbrüche bereits bei Delta ein Fehler gewesen. Kekulé warnte: „In der bevorstehenden Omikron-Welle wäre dies absolut unverantwortlich.“

4. Weihnachten im kleinen Kreis

Um die Ausbreitung der Variante zu verlangsamen, hatte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag dazu aufgerufen, Weihnachten nur im kleinsten Kreis zu feiern. „Wir alle möchten ja die Feiertage mit Familie und Freunden verbringen, aber wir alle müssen auch gemeinsam dafür sorgen, dass Weihnachten nicht zu einem Kickstart für Omikron wird“, sagte Wieler in Berlin. Er bat die Bürger „eindringlich“, die Feiertage so zu verbringen, dass sie „nicht für das Virus ein Fest“ würden.

5. Kontakte für Ungeimpfte mit FFP2-Maske

Die Schweizer Virologin Isabella Eckerle mahnte besonders die Ungeimpften: „Wer noch nicht geimpft ist, der sollte spätestens ab jetzt sehr, sehr vorsichtig sein. Am besten keine Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts ohne FFP2.“ Das Narrativ, dass sich Covid-19 mit Omikron nun in einen milden Infekt verwandelt, sei ein gefährliches Irrlicht.

6. Kontaktreduktion – drastisch und sofort

Die Brisanz, die Omikron in die Pandemie bringt, veranlasste auch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) dazu, seine Risikomanagement-Empfehlungen zu aktualisieren.

Oxford-Professor Peter Horby unterstrich ein zentrales Element: Mit Omikron als besorgniserregender Variante mit großem Verbreitungspotential, seien umfassende und sofortige Kontaktreduktionen notwendig, um die Last durch Covid-19 managen zu können.

In Deutschland forderte Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft, die Politik auf, die Erkenntnisse zu Omikron aus anderen Ländern „sehr sorgfältig“ zu analysieren und – falls sich die Befürchtungen bestätigten – „sehr frühzeitig“ mit Kontaktbeschränkungen gegenzusteuern. „Wir dürfen dann keine Zeit verlieren, dann muss sofort gehandelt werden, noch bevor die Zahlen auch in Deutschland nach oben gehen und eine Überlastung der Krankenhäuser nicht mehr zu verhindern ist.“

7. Strikter Lockdown

Noch einen Schritt weiter gehen die Gesundheitsexperten, die die niederländische Regierung beraten. Für die Covid-19-Strategie haben sie empfohlen, das Land in einen „strikten“ Lockdown zu schicken. Das berichteten niederländische Medien am Freitag. Ein paar Tage zuvor war der bereits geltende Teil-Lockdown in den Januar verlängert worden.

Eine vergleichbare Forderung ist auch in Deutschland nicht neu. Als Omikron Ende November gerade in der Welt bekannt wurde, forderten namhafte Virologen und Epidemiologen bei FOCUS Online bereits einen Lockdown. „Virologisch gesehen, wäre ein schneller Lockdown für alle jetzt das Beste“, sagte der Virologe Friedemann Weber. Geimpfte und Ungeimpfte eingeschlossen. „Am effektivsten wäre ein Lockdown für ganz Deutschland, denn auch lokale Lösungen werden wahrscheinlich nicht ausreichen.“ Klar war seiner Einschätzung nach damals bereits, dass man mehr tun müsse, als die Politik beschlossen hatte.

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